Vorläufig ausgeschneckt

Das Online-Szenario Die demokratische Schnecke. Ein großes Märchen von Heike Geißler und Anna Lena von Helldorff geht zu Ende. Es war coronabedingt die erste digitale Ausstellung des Museums Villa Stuck. Angedacht war sie eigentlich im Alten Atelier von Franz von Stuck. Dort nämlich auf dem Altar der Sünde finden sich zwei Schneckenhäuser (wohlgemerkt von Meeresschnecken) – die Namensgeberinnen für diese Ausstellung. Komischerweise hat sich bei uns die Vorstellung einer Landschnecke, genauer einer Weinbergschnecke als Protagonistin dieser Ausstellung manifestiert.
Seither haben wir uns viele Gedanken über das Wesen von Schnecken allgemein und dieser speziellen Schnecke gemacht. Ikonografisch gelten Schnecken als Verkörperung der Todsünde der Trägheit. Aber gilt heute nicht Entschleunigung als der eigentlich richtige Modus Vivendi? (Was naturgemäß durch die Geschwindigkeit der digitalen Welt in dem Moment konterkariert wird, in dem man dies ausspricht oder aufschreibt.) Und sind nicht die Museen die Gralshüter der Entschleunigung, indem sie die Besucher*innen zu tiefer und eingehender Auseinandersetzung mit den Werken und Inhalten anleiten wollen? Würde man das Kriechen der Schnecke ikonografisch als intellektuelles Lustwandeln umdeuten, wäre dann nicht die Schnecke das Wappentier des aufgeklärten und gleichzeitig genussvollen Menschen des 21. Jahrhunderts?
Oh, was wollen Sie denn immer auf einen Punkt kommen. Wir können diese Lust nicht mehr teilen. Je mehr man von uns verlangt, auf den Punkt zu kommen, desto ausführlicher werden wir. Das ist nichts Pathologisches. Das ist etwas Demokratisches. Wir hoffen, Sie verstehen.
Was macht die Schnecke aus? Kann sie die Hüterin der Demokratie sein? Eventuell braucht der Mensch die Schnecke, um diejenigen Fragen zu stellen, der er selbst nicht mehr in der Lage ist zu stellen. Diejenigen Aussagen zu treffen, deren er selbst nicht mehr mächtig ist. Weil er sich nicht repräsentiert fühlt, weil er kein Vertrauen hat, weil er wichtigere Dinge zu tun hat … (oder sind das alles bloß Ausreden?).
Es war einmal eine Schnecke, die wollte ihre ganz eigene Sache machen und die wollte nicht schon wieder in jemandes Tirade verstrickt werden… in Verwechslungen.
Es war einmal eine Schnecke die war der Kriege so dermaßen überdrüssig,
 aber hallo, sagte die Schnecke, das können sie aber laut sagen, davon hab ich ja so dermaßen die Nase voll.
Es war einmal eine Schnecke die machte sich auf, einen König zu finden, um ihm zu sagen: was wollen Sie denn von mir. Was ist denn Ihr Plan mit mir?
Das Online-Szenario hat uns verschiedene Erzählungen geboten, ein Spiel mit Worten und mit Redewendungen. Schneckenartig – und das bedeutet in diesem Fall selbstbestimmt – konnte man durch den digitalen Raum gleiten und über verschiedene Referenzen, Verästelungen und Abbiegungen kriechen. Wir finden, das sollte man öfter so machen. Sich Zeit nehmen für Verästelungen und nicht bei der ersten Weggabelung in Schweiß ausbrechen. Man sollte öfter Menschen ins Museum einladen, die sonst nicht hierher eingeladen werden. Denn man lernt dabei voneinander und man kann über das sprechen, was man voneinander gelernt hat. Es kommt dann höchstwahrscheinlich seltener zu Verwechslungen. Und alleine das ist doch schon ein großer Schritt.


Michael Buhrs und Anne Marr,
22.4.2020, Villa Stuck



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Auf Wiedersehen!
Arrivederci!
Au revoir!

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Ich bin derzeit
wieder unterwegs.
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Ich bleibe gut erreichbar
für Fragen, Anekdoten oder große Berichte.
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E mail !

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Mit freundlichen Grüßen,

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Ihre demokratische Schnecke.

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Genießen Sie die Aussichten?

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Genießen Sie die Aussichten?

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Wie sieht es denn jetzt und hier aus?

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Jetzt bloß keinen Fehler machen.

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Heike Geißler, 1977
Anna Lena von Helldorff, 1977

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(Subtext)

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(if you see somehting, say something)

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(Es war einmal,)
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Es war einmal ein Märchen, das machte sich auf, an Prozessen teilzuhaben und irgendwie wieder präsenter zu sein. Es sagte: Ich möchte halt vordringen in die Bereiche der politischen, ökonomischen, juristischen Textsorten, ich möchte zudem in der Mitte der Gesellschaft auf zeitgenössische Art stattfinden.


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Sie sehen Landschaft und Sie hören Landschaft. Sie hören an dieser Stelle, da wir nun schon seit Jahrhunderten gehen und da wir gerade erst losgegangen sind, die Landschaft sagen, Sie hören wirklich nicht uns, sondern die Landschaft sagen:

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immer noch nicht

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Richtig:
Wir verändern uns durch Kollaborationen sowohl innerhalb unserer Art als auch zwischen den Arten.

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